≡ Navigation
Beachtet bitte auch den Hinweis am Ende dieser Seite …

Vom Kurzzeitgedächtnis zum Langzeitgedächtnis

Der sicherste Weg sich ein neues Konzept oder neue Fakten einzuprägen ist die wiederholte Übung. Mit Wiederholung wird hier explizit nicht das sture Lesen, Lesen, Lesen gemeint, sondern der kreative Umweg. Versuche es mal mit der Sesamstraßentechnik! Nur ein Beispiel, aber stell dir vor, du musst die historischen Fakten und Zusammenhänge zu den Perserkriegen lernen, dann kann es sinnvoll sein, sich im Vorfeld, also bevor man z. B. das Kapitel über die Schlacht bei den Thermopylen liest, zu fragen: Wieso, weshalb, warum oder etwas ausführlicher, wer, hat was wann von wem woraus – wie und wo. Und nun kann man bei der Rekapitulation sich anhand seiner Finger immer wieder diese Fragen stellen. Wer war beteiligt? Wo fand die Schlacht statt, wie ging es aus, wofür wurde gekämpft, usw.? Mit der Rekapitulation, der Nachfrage, dem fortgesetzten Einbau von neuem Wissen, neuer Erkenntnisse wird das neurologische Engramm immer tiefer, immer besser und vor allem langfristig abrufbar. Übrigens, die Summe aller Engramme ist unser Gedächtnis. Sofern das Engramm nicht tief genug ist, erodiert es mit der Zeit, es schleift sich ab und irgendwann ist es eingeebnet und es ist so, als ob wir es nie gelernt hätten. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es ein Zusammenhang zwischen Vergessen und den extrazellulären Metaboliten gibt, ein Grund warum wir ausreichend schlafen sollten. Wenn wir „büffeln“ machen wir das genaue Gegenteil von Lernen. Wenn wir büffeln, wollen wir durch eine Prüfung kommen. Ist die Prüfung vorbei, wird das meiste wieder vergessen. Lernen ist wie eine Mauer zu bauen, wenn wir dem Mörtel nicht genug Zeit geben, können wir nicht stabil in die Höhe bauen. Mithilfe der Pomodoro-Technik, könnten wir dem Lernstoff z. B. am Montag 25 Minuten widmen, am Dienstag planen wir 5 Minuten für die Wiederholung ein und 20 Minuten für neue Fakten. Am Donnerstag setzen wir 15 Minuten für die Wiederholung ein und 10 Minuten für Neues. Am Freitag und Sonntag dann jeweils 25 Minuten für Wiederholungen (25 Minuten, also eine Pomodoro-Einheit ist hier nur ein Beispiel, es können selbstverständlich auch 2 oder 3 Pomodoro-Einheiten sein).

Wende dein Wissen an, prüfe dich selber, versuche, dich zu erinnern

Die gute Vorbereitung auf Prüfungen sind Tests und Übungsaufgaben. Physiologisch ist eine Prüfungssituation wie die Begegnung mit dem Säbelzahntiger. Der Stresslevel steigt und der Zugriff auf unser Gedächtnis wird zugunsten unseres Fluchtreflexes vorübergehend eingestellt. Der beste Umgang mit diesem Stress ist die dosierte Konfrontation mit der Gefahr. Und hier kommt der Übungstest ins Spiel. Quasi aus sicherer Distanz können wir der Gefahr studieren, uns an den Umgang gewöhnen. Übungsaufgaben helfen uns, die Kontrolle zu behalten. Neben Tests sind Karteikarten ein gutes Hilfsmittel zur Prüfungsvorbereitung. Wir fragen uns ab und prüfen, ob wir die richtige Lösung gewusst haben. Wir arbeiten vorzugsweise mit drei Stapeln. Stapel Nr. 1: Diesen Stoff beherrschen wir sehr sicher – den fragen wir selten ab. Stapel Nr. 2: Diesen Lernstoff beherrschen wir gut – den fragen wir gelegentlich ab, Stapel Nr. 3: Bei diesem Lernstoff sind wir unsicher – den fragen wir häufig ab. Es versteht sich von selber, dass die Karten von einem Stapel zum anderen wechseln können. Es gibt unterschiedliche Methoden, wie man mit Karteikarten effektiv und effizient lernt. Sie beruhen aber im Wesentlichen auf dem spaced-repetition-effect (verteilte Wiederholung), deren Wirksamkeit wissenschaftlich bestätigt ist. Eine praxisorientierte Herangehensweise wurde von Sebastian Leitner bereits 1973 aufgestellt. Handgeschriebene Karteikarten sind viel besser als digitale Karteikarten! Versuche dich, zu erinnern, was du gelesen und was du gelernt hast. Wenn du dich schlecht oder überhaupt nicht erinnern kannst, hast du vermutlich nichts gelernt. Rekapituliere den Stoff, am besten mit Unterstützung der Sesamstraßentechnik. Es konnte nachgewiesen werden, dass der Abruf der Erinnerungen eine viel bessere Lernmethode ist, als z. B. Mindmapping oder wiederholtes Lesen. Wann immer es dir möglich ist, dann solltest du dich mit Gleichgesinnten austauschen. Die soziale Interaktion festigt und korrigiert dein Wissen. Bei all diesen Lernmethoden gilt: Das Verhältnis vom Zeitaufwand, den wir für Lernstoff lernen (z. B. Lesen, Interpretieren, Zusehen, Zuhören, Aufnehmen) benötigen, zum Zeitaufwand den wir für Rekapitulieren (Abfragen, Hinterfragen, Vorsagen, Mitteilen, Üben) aufwenden, sollte 1:2 nicht unterschreiten. D. h. Du solltest immer mehr als die doppelte Zeit für den Abruf des Lernstoffes einplanen, als für die Aufnahme.

Erkläre dein Wissen deinem inneren Kind

Stell dir vor, du müsstest den Lernstoff einem Kind erklären, das noch nie etwas davon gehört hat, was du dem Kind erzählen willst. Wenn du es schaffst, dein Wissen in eine Metapher zu verpacken oder für dein Wissen eine Analogie formen kannst, dann ist dies ein gutes Zeichen dafür, dass du es verstanden hast. Übrigens: Mimose ist z. B. eine Metapher für einen empfindlichen Menschen. Eine Küche könnte z. B. eine Analogie für eine menschliche Zelle sein. Der Physiker Richard Feynman (siehe auch Feynman-Methode) hat einmal gesagt, je mehr man glaubt zu wissen, desto eher neigt man zu arroganten Erklärungen. Man erklärt es auf komplizierte Weise. Es könnte aber auch ein Zeichen dafür sein, dass man das Sachgebiet nicht wirklich verstanden hat. Richard Feynman hat seiner Zeit die führenden Mathematiker dazu aufgefordert ihr Fachgebiet auf simple Weise zu erklären. Sie konnten es! Das bedeutet, egal wie kompliziert ein Sachverhalt ist, man kann es auf eine einfache Erklärung herunterbrechen. Es gilt: Je einfacher du es erklären kannst, desto tiefer wird dein Verständnis werden.

Zweifel nicht an dir selber

Du kennst bestimmt die Geschichte vom grüneren Rasen, des Nachbarn. Wer ein bisschen zu Selbstzweifeln neigt, der sieht immer die Vorteile und Vorzüge bei anderen. Wer dazu neigt, neigt dazu, andere überzubewerten und sich selber unterzubewerten. Wir sind alle verschieden, so viel steht fest. Schnelldenker übersehen die kleinen Details und Langsamdenker verlieren sich in den Details. Die einen sind großartig darin, mit den offensichtlichen Dingen zu einer Lösung zu kommen, die anderen sind großartig darin, um ganz neue Lösungswege zu finden. Wertvoll sind beide Denkformen. Sobald wir uns und andere in unseren Unterschieden respektieren und bereit sind, zusammen zu arbeiten, dann sind wir als Team unschlagbar. Wenn wir, obwohl wir eine gute Leistung erbracht haben, diese gute Leistung als nur zufällig einstufen und für uns feststellen, dass wir eigentlich viel schlechter sind, als uns das Ergebnis zeigt, dann spricht man vom Imposter-Syndrom. Wir betrügen uns damit um das gute Gefühl und den positiven Einfluss für die nächste Lernrunde. Am besten wir legen diese Eigenart ab, z. B. auf diese Weise:

  1. achte auf deine innere Stimme, vermeide z. B. die Aussage, das war doch nichts, ich bin ein Betrüger, ich bin ein Hochstapler, ich bin doch kein …
  2. nimm das Lob einer guten Leistung an, klopfe dir auf die Schulter
  3. immer, wenn du schlecht von dir denkst, benenne das Gefühl, ordne es dem Imposter-Syndrom zu, versuche positiv zu denken
  4. sammel deine Medaillen, zeige deine Pokale, notiere deine Erfolge
  5. teile deine Sorgen und Ängste mit, suche Fürsprache bei dir wohlgesinnten Personen

Ein Gedanke zum Schluss der Einführung ins Thema „Lebenslanges Lernen“

Suche eine Passion. Es ist bekannt, dass wir besonders gut darin sind, einer Leidenschaft zu folgen. Wir entwickeln uns dann zu wahren Gedächtniskünstlern. Das ist aber erst der erste Schritt, wir profitieren überproportional davon, wenn wir unsere Leidenschaft ausbauen. Wer sich gut mit dem Mittelalter auskennt, hat Berührungspunkte in die Antike und in die Neuzeit. Es ist kein Wunder, das Personen, die Freude an der spanischen Sprache haben auch gut italienisch oder andere romanische Sprachen lernen können. Wer Mandarin sprechen kann, lernt auch viel schneller Kantonesisch.

Affiliate-Hinweis:
Links, die auf dieser Seite platziert sind, sind sogenannte Affiliate-Links. Kommt über diesen Link ein Einkauf zustande, wird 2shop.me mit einer Provision belohnt. Für euch entstehen dabei selbstverständlich keine Mehrkosten. Wo ihr die Produkte/Leistungen kauft, bleibt natürlich euch überlassen.

Vielen Dank an alle, die uns auf diese Art und Weise unterstützen! 🙂🙂🙂